**Partynacht für Inklusion: Grenzen überwinden und Gemeinschaft stärken**
Partynacht lässt auf der Tanzfläche Barrieren brechen
Gesellschaftliche Teilhabe funktioniert nicht im Alleingang. Sie gelingt, wenn Menschen und Unternehmen mitdenken und ihre Türen öffnen. Das „Kult“ in Gundersweiler (Donnersbergkreis) hat gerade vorgemacht wie das geht. An einem Freitag im September wurden dort Menschen mit Beeinträchtigungen aus der Region eingeladen, zu feiern – kostenlos. Neben der Lebenshilfe und Zoar, waren auch Menschen aus dem Bodelschwingh Zentrum der Stiftung kreuznacher diakonie in Meisenheim vor Ort.
Aus Sicht der Heilerziehungspflege sind solche Events weit mehr als nur ein netter Freizeitausflug. Sie sind einer der Bausteine für die persönliche Entwicklung und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen, so Marvin Schatto vom Team „Teilhabe, Freizeit, Bildung“ der Wohneinrichtung am Glan: „Die Disko bietet unseren Klientinnen und Klienten eine einzigartige Bühne zur Selbstbestimmung und Identitätsfindung“, erklärt er. Zwar werden in der Gaststätte des Zentrums selbst auch regelmäßig „Diskos“ veranstaltet, doch der Ausflug mit vier Bussen und zwei Autos nach Gundersweiler hat noch einmal eine andere Dimension. Denn hier besteht die Gelegenheit, auch mal neue Gesichter zu treffen.
Das Bodelschwingh Zentrum in Meisenheim (Kreis Bad Kreuznach) ist eine Einrichtung für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen, mit mehrfach Schwerstbehinderungen und Verhaltensauffälligkeiten. Hier gibt es Wohnangebote für Erwachsene (auch in Außenwohngruppen) sowie für Kinder und Jugendliche – insgesamt fast 400 Wohnplätze. Am Standort befindet sich die Bodelschwingh Schule, eine Förderschule mit den Schwerpunkten ganzheitliche und motorische Einschränkungen, zwei Werkstätten (WfbM), eine Tagesförderstätte sowie Tagesstrukturangebote.
Fast 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den verschiedensten Fachbereichen bilden ein Team, das Soziale Teilhabe für die Bewohnerinnen und Bewohner sichert.
Aufgabe von Wohneinrichtungen wie dem Bodelschwingh Zentrum ist es, Räume zu schaffen, in denen Selbstwirksamkeit spürbar wird. Generell bauen Musik und Tanz emotionale Blockaden ab, stärken das Körperbewusstsein, die Selbstwahrnehmung und ermöglichen soziale Interaktionen – ganz ohne Worte. Dass diese Partynacht in einem authentischen Rahmen stattfand, ist umso eindrücklicher: „Der Abend war schön und ausgelassen und die Tanzfläche stets voll“, freut sich Schatto.
Die „Kult“-Betreiberin Laura Leißner- Nickel, die auf den Eintritt verzichtete, fand den Abend so gelungen, dass es nicht bei einer einmal im Jahr stattfindenden Aktion bleiben soll. Für Marvin Schatto beweist die Partynacht in Gundersweiler, dass echte Teilhabe dann gelingt, wenn Barrieren nicht nur in den Köpfen, sondern auch in unserer Gesellschaft aktiv abgebaut werden.
Bildnachweis: Stiftungen kreuznacher diakonie/Marvin Schatto