Spannungsfelder in der Führung
Generationswechsel in der Rheinischen Gesellschaft für Diakonie
Die Rheinische Gesellschaft für Diakonie gGmbH (RG) steht in den kommenden Jahren vor einem tiefgreifenden Generationswechsel: Ein erheblicher Teil der derzeit verantwortlichen Führungskräfte wird innerhalb der nächsten zehn Jahre in den Ruhestand eintreten. Diese Entwicklung sieht die RG als Herausforderung und Chance zugleich. Sie möchte frühzeitig Mitarbeiter aus den eigenen Reihen in Führungspositionen bringen.
Vor diesem Hintergrund wurde im Juni 2024 das Projekt „Führung leben – Karriere bei der Rheinischen Gesellschaft“ ins Leben gerufen – mit dem Ziel, Führungskräfte aus den eigenen Reihen zu entwickeln und damit die Zukunftsfähigkeit der Organisation zu sichern. Das Projekt wird im Rahmen des Programms „rückenwind³“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert. Es verfolgt den Anspruch, Führung bewusst zu gestalten. Um diesem gerecht zu werden, wurden Mitarbeitende und Führungskräfte der RG aktiv an der Gestaltung der zukünftigen Führungskräfteentwicklung beteiligt. Ein wesentlicher Meilenstein auf diesem Weg waren die Mut-Mach-Workshops, die durchgeführt wurden. In insgesamt elf Workshops mit rund 250 Teilnehmern wurde bewusst der Fokus auf vorhandene Stärken gelegt: Was gelingt bereits in Führung? Was trägt zu Orientierung, Motivation und guter Zusammenarbeit bei? Gleichzeitig wurden Entwicklungsbedarfe sichtbar gemacht.
Als RG-Geschäftsführer Marc Schué und Einrichtungsleiter Simon Heinrich kürzlich das Führungsleitbild im Dr.Carl-Kircher-Haus des Evangelischen Altenzentrums vorstellten, war die Beteiligung der Mitarbeiter recht hoch und es zeigte sich, dass Bereitschaft besteht, Verantwortung für Führung gemeinsam zu tragen. Mit verständlichen Beispielen aus der Praxis erläuterte Marc Schué, wie man Nachwuchskräfte motivieren kann, welche Talente und Stärken sie haben sollten, um die Herausforderungen der Führung meistern zu können.
Simon Heinrich ging auf die Spannungsfelder ein, die Führung stets mit sich bringt. Oftmals gelte nicht ein "Entweder/oder", sondern ein "Sowohl als auch". Ein guter Wert könne auch ins Negative kippen, die Balance müsse bewusst gestaltet sein. Die Spannungsfelder zwischen Nähe und Distanz, Stabilität und Veränderung, Klarheit und Beteiligung waren in 181 Geschichten von gelingender Führung gesammelt, in Arbeitsgruppen kokretisiert und mit Hilfe von Wertequadraten dargestellt worden.
Das Prinzip des Wertequadrats soll verdeutlichen, dass jede Stärke auch eine Schwäche werden kann, wenn sie übertrieben wird. Ein Wert wie Offenheit schafft Transparenz. Aber wenn alles ungefiltert geteilt wird, entsteht Verwirrung und Unsicherheit. Deshalb braucht jeder Wert einen Gegenwert, der ihn ausgleicht. Offenheit braucht Struktur, Zuhören braucht klare Entscheidungen.
Im Speisesaal und im Mehrzweckraum waren insgesamt acht Rollups mit Wertequadraten zu zentralen Themenschwerpunkten des "Führungssleitbildes" aufgestellt. Die Beschäftigen des Evangelischen Altenzentrums sollten sich dazu überlegen: "Welcher Leitspruch ist für mich besonders wichtig?"
Mit Blick auf das Bauvorhaben der RG und das spannende Konzept, das im Neubau des Evangelischen Altenzentrums umgesetzt werden soll, erklärte Marc Schué: "Wir müssen über Führung sprechen. Wir haben ein Riesenprojekt vor uns. Die Teams und die Aufgaben werden neu eingeteilt." Die RG sei stolz, denn sie habe mit diesem, zusammen mit Mitarbeitern gemeinsam entwickelten Führungsleitbild Klarheit, was viele andere Einrichtungen noch nicht haben.
Fotos: Roswitha Kexel